Marzia Bordone ist Spezialistin für Flavourphysik, ein Forschungsgebiet, das sich mit der grundlegenden Struktur der Materie anhand der Eigenschaften und Wechselwirkungen von Elementarteilchen befasst. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Hierarchie der Fermionenmassen und die Quarkmischung. Mit ihrer Antrittsvorlesung im April 2026 tritt Marzia Bordone offiziell der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und PRISMA++ als Leiterin ihrer eigenen Forschungsgruppe bei.

Marzia Bordone wurde 1989 in Chiavari, Italien, geboren und schloss 2014 ihr Masterstudium an der Universität Genua ab. Nach ihrem Umzug nach Zürich konzentrierte sie sich in ihrer Doktorarbeit auf verschiedene Aspekte der Flavourphysik und schloss ihr Doktorat 2018 mit der Dissertation „B physics in the Standard Model and Beyond“ ab. Bevor sie 2025 als Postdoktorandin nach Zürich zurückkehrte, sammelte sie Erfahrungen an der Universität Siegen, der Universität Turin und am CERN.

Flavourphysik und das Standardmodell

„Eines der auffälligsten und am wenigsten verstandenen Merkmale des Standardmodells der Teilchenphysik ist die hierarchische Anordnung der Fermionenmassen und der Quarkmischung“, sagt Marzia Bordone. „Das Verständnis des Ursprungs und der Struktur dieser Flavour-Hierarchien bleibt eine der zentralen offenen Fragen der Teilchenphysik. Gleichzeitig bieten sie einige der strengsten Präzisionstests für das Standardmodell.“

„Da die Flavour-Wechselprozesse stark unterdrückt und theoretisch gut kontrolliert sind, können selbst kleine Abweichungen von den Vorhersagen des Standardmodells auf neue Physik hinweisen, die außerhalb der Reichweite aktueller Teilchenbeschleuniger liegt.“

„Mein Forschungsprogramm konzentriert sich auf die Phänomenologie der Teilchenphysik an der Präzisionsgrenze der Flavourphysik. Ich entwickle und kombiniere moderne theoretische Werkzeuge – darunter effektive Feldtheorien, Gitter-QCD-Ergebnisse, QCD-Summenregeln, dispersive Methoden und perturbative Berechnungen höherer Ordnung – um systematisch kontrollierte Vorhersagen für semileptonische und seltene Zerfälle schwerer Hadronen zu erhalten. Ein zentraler Aspekt dieser Arbeit ist die Erstellung globaler Analysen, die theoretische Einschränkungen konsequent mit experimentellen Daten integrieren und so strenge Tests des Standardmodells sowie modellunabhängige Suchen nach neuer Physik ermöglichen.“